7. Januar 2018

Positionspapier zu Artenschutz und Erhalt der Wiesen im Rheintal

Haselmaus an Buchecker Foto: Dieter Bark

Die BUND-Ortsgruppe befaßt sich schon seit dem März 2016 konkret mit den Auswirkungen der B34_neu auf besonders oder sogar streng geschützte Wildtier-Arten im Bereich der Trasse der B34_neu. Zu diesem Zeitpunkt wurde die vorläufige Fassung einer Artenschutzrechtlichen Prüfung verfügbar, welche die betroffenen Arten, deren Betroffenheit und Maßnahmen zur Kompensation nachteiliger Wirkungen benannte. Darüber haben wir mit den Gutachtern und der zuständigen Behörde (RP Freiburg) bisher bei zwei Treffen diskutiert. Jetzt haben wir unsere Position zusammenfassend dokumentiert und können so auch eine erweiterte Öffentlichkeit einbeziehen.

Untersuchungen
Wir begrüßen die Untersuchungen, welche die Gutachter im Jahr 2015 zum Vorkommen von besonders oder streng geschützten Wildtier-Arten* durchgeführt haben. Im Untersuchungsbereich, der Trasse der B34_neu mit den nahen Umfeld, den südlich anschliessenden Wiesen sowie der renaturierten Kiesgrube Wyhlen wurde eine erfreuliche Vielfalt der Arten festgestellt, allerdings meistens nur mit wenigen Tieren pro Art. Der Bestand vieler, dort vorkommender Arten kann daher durch nachteilige Wirkungen der B34_neu erheblich gefährdet werden. Mangelnde Kenntnisse bestehen jedoch ausgerechnet noch bei den Arten der Zauneidechse und Haselmaus, deren Lebensräume sich teilweise auf der Trasse oder deren Nahbereich befinden. Wir halten daher ergänzende Prüfungen z.B. zur Lokalisierung winterschlafender Tiere auf der Trasse vor Eingriffen für unverzichtbar. Wir setzen uns ausserdem für die Erfassung und den Erhalt weiterer heimischer Wildtier-Arten wie z.B. Feldhasen ein, welche inzwischen ebenfalls in ihrem Bestand gefährdet sind.   
(* Zauneidechsen, Mauereidechsen, Haselmäuse, Fledermäuse, Vögel, Amphibien, Insekten).

Maßnahmen im Bereich der Trasse
Knackpunkte der geplanten Massnahmen zur Entfernung der Wildtiere von der Trasse sind die Anforderungen an deren Durchführung insbesondere im Falle der winterschlafenden Arten Zauneidechse und Haselmaus. Der geplante Kahlschlag von etlichen Bäumen im Lebensraum dieser beiden Arten (zuerst am Bahndamm zwischen den Ortsteilen) kann im Winter nur bei einer zweifelsfrei festgestellten Abwesenheit dieser Tiere erfolgen, was derzeit nicht der Fall ist. Wir fordern daher sorgfältige Prüfungen und einen verlässlichen Ausschluss von Störungen oder Schädigungen vorab. Auch die im Sommer des Jahres geplante, unkontrollierte Vertreibung (‚Vergrämung‘) der Tiere nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf stellt insbesondere für Haselmäuse ein hohes Schadensrisiko aufgrund des Verlusts der Deckung dar. Wir haben daher den Planenden eine wesentlich schonendere, kontrollierte Bewegung der Wildtiere von der Trasse im Sommer vorgeschlagen. Frühzeitig muß die Eignung der stark verkleinerten Lebensräume für Wildtiere im Umfeld der Trasse geprüft und nach Möglichkeit passend ergänzt werden. Grundsätzlich sollten die Lebensräume der dort heimischen Wildtiere bis spätestens nach dem Abschluß der Baumaßnahmen so geeignet wie möglich gestaltet werden, so dass der Flächenverlust durch die B34_neu tatsächlich minimiert wird. Die B34_neu muß ausserdem für wandernde Wildtiere verschiedener Grössen (etwa Zauneidechsen bis Rehe) im Bereich der Grünzäsuren zwischen den Ortsteilen und nördlich des Altrheins sicher querbar sein. Für Amphibien müssen separate Querungen der B34_neu im Bereich der Bäche gestaltet werden. Diese Vorschläge sind in der bestehenden Planung nicht enthalten, daher werden wir uns weiterhin nachdrücklich für entsprechende Ergänzungen einsetzen.    

Ausgleichsflächen  
Zur Kompensation der erheblichen Verluste an Lebensraum für Wildtiere durch den Bau der B34_neu sind geeignete Ausgleichsflächen zur Aufnahme der verdrängten Arten frühzeitig erforderlich. Hierfür bieten sich die noch vorhandenen Wiesen im Rheintal an. Diese könnten so auch als den Ort prägende Landschaft langfristig erhalten werden könnten. Sogar die besonderen Bedürfnisse heimischer Arten für sonnige, steinige Plätze (z.B. Zauneidechsen, Vögel, Insekten) könnten durch entsprechende Gestaltungen mittels des lokal zugänglichen Rheinkies  gut erfüllt werden. Der Lebensraum der ebenfalls zu schützenden ‚Wald-Arten‘ ( z.B. Haselmäuse, Vögel) könnte im Bereich der Wiesen durch eine Ergänzung vorhandener Gehölze mit Sträuchern, Hecken und Bäumen wesentlich erweitert werden. Dafür erforderliche Pflanzen könnten eventuell sogar direkt von der Trasse dorthin transferiert werden. Derzeit sind allerdings dafür verfügbare Wiesenflächen noch nicht präzise bekannt. Noch zu lösende Probleme stellen wohl auch die Verbindungen der Ausgleichsflächen untereinander sowie die Vernetzungen mit den Vorkommen der Wildtiere im Bereich der Trasse dar.  

Abstimmung der Nutzungen
Die Ausgleichsflächen für den Artenschutz zur Kompensation des Baus der B34_neu werden nur einen Teil der noch vorhandenen Wiesen ausmachen, welche jedoch aufgrund ihres vielfältigen Wertes auch für die extensive Landwirtschaft, Naherholung und verträgliche Freizeitaktivitäten gesamthaft erhalten werden sollten. Hierfür sind eine Abstimmung und Integration der Nutzungen erforderlich, welche verstärkt der Allgemeinheit dienen werden. Unsere BUND-Gruppe will daher auch Vorschläge für die Entwicklung einer Neuen Allmende machen.



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