31. Juli 2013

Sanierung chemischer Altlasten in der Kesslergrube

Informationen zu den Altlasten in der Kesslergrube: Die ehemalige Kesslergrube befindet sich direkt am Rheinufer im westlichen Bereich des Betriebsareals der Fa. BASF (ca. 2/3 der Fläche) und einem daran angrenzenden Roche-Areal,( ca. 1/3 der Fläche). Die Grube wurde von 1913 bis zur Schliessung 1976 neben Hausmüll, Bauschutt und Erdaushub auch mit erheblichen Mengen chemischer Abfälle verfüllt. Die Gesamtfläche der Kesslergrube beträgt 52 000 m2, das verfüllte Volumen ca. 310 000 m3. Die maximale Tiefe der Altlast beträgt 13 m (Mittelwert 6 m). Der Inhalt der Kesslergrube wurde 2011 von der Altlastenbewertungs-kommission des Landes B-W für ‚sanierungsbedürftig‘ erklärt. In der Folge liessen die beiden Firmen Roche und BASF entsprechende Konzepte erstellen, welche der zuständigen Behörde im Landratsamt Lörrach im März 2013 und dem Gemeinderat von Grenzach-Wyhlen im Juni 2013 erstmalig vorgestellt wurden. Weitergehende Informationen finden sich im Internet unter dem Suchwort ‚Kesslergrube‘ auf der Homepage des LRA Lörrach.

Wir halten das Konzept der Fa. Roche (Sanierung) für zielführend, indem es zu einem für unsere Gemeinde nützlichen Gewerbegebiet führt. Das Konzept der Fa. BASF (dauerhafte Sicherung) lehnen wir hingegen ab, weil eine anschliessende gewerbliche Nutzung des Areals sehr fraglich ist, der Gemeinde aber wahrscheinlich Lasten durch den Fortbestand der Altlasten aufgebürdet würden. Wir fordern daher, dass die Fa. BASF ebenfalls eine vollständige Ausräumung der Altlasten (Sanierung bzw. Dekontamination) durchführt. Wir begrüssen in diesem Zusammenhang die Absicht unserer Gemeinde, die Nutzung der Kläranlage auf dem fraglichen Areal aufzugeben. Damit wird die Entfernung eines wesentlichen Hindernisses der Sanierung ermöglicht.

Begründung der Ablehnung des Konzepts der Fa. BASF:

  • Ungeeigneter Ort für eine dauerhafte Sicherung, Unvollständige Abtrennung (Kapselung?) der Altlasten: Aufgrund der Lage der Altlasten direkt am Rheinufer strömt auch bei einer Umsetzung des Konzeptes (Umspundung) weiter Wasser in die Altlasten ein, und muss permanent von dort abgepumpt und behandelt werden. Auch die geplante Überdeckung kann wahrscheinlich gasförmige, toxische Substanzen in den Altlasten nicht vollständig von der Umwelt abschliessen Die verbleibende Undichtigkeit der Altlasten gegenüber dem Rheinwasser trotz der geplanten Umspundung ist insbesondere aufgrund des nicht versiegelten Untergrunds der Kesslergrube zu erwarten (verwitterter Muschelkalk). Durch die Altlasten würde das eingedrungene Rheinwasser weiter kontaminiert. Es müsste permanent abgepumpt und in der Kläranlage (?) behandelt werden. Ohne diese aktive Sicherung, welche gemäss dem Konzept der Fa. BASF zeitlich unbegrenzt durchgeführt werden müsste, würden die Schadstoffe der Altlast weiter vom Rheinwasser ausgeschwemmt. Diese in Wasser gelösten Schadstoffe könnten von allen lebenden Organismen aufgenommen werden, welche das Rheinwasser flussabwärts nutzen (u.a. befindet sich im Abstrom der Grube die Entnahmestation für das Trinkwasser der Stadt Basel). Ein zweiter, zweifelhafter Aspekt der Abtrennung der Altlasten betrifft flüchtige, toxische Substanzen, welche in der Altlast nachgewiesen wurden (z.B. Lösungsmittel wie Benzol). Das dauerhaft sichere Einschliessen dieser teilweise gasförmig vorliegenden Substanzen ist nur mit besonders dichten Materialien (z.B. Metall) und hohem Aufwand eventuell zu erreichen. Dies müsste aber in jedem Fall sicher nachgewiesen werden. Ansonsten würde die Gesundheit der Menschen gefährdet, welche sich später auf dem Areal aufhalten sollen. Für den Aufenthalt von beruflich tätigen Personen auf dem geplanten Gewerbegebiet müsste z.B. eine 50-jährige Tätigkeit (8 Stunden/Tag) ohne Beeinträchtigung der Gesundheit zweifelsfrei nachgewiesen werden. Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass dieser Nachweis mit der erforderlichen Sicherheit geführt werden kann und sehen daher das Risiko eines Fortbestands der Altlast unter dem geplanten Gewerbegebiet als nicht akzeptabel an. Insgesamt halten wir die Bezeichnung ‚Kapselung‘ für das Konzept der Fa. BASF für sachlich nicht zutreffend und irreführend.

  • Wahrscheinlich sehr hohe Kosten aufgrund einer permanenten, aktiven Sicherung; Unterschätzung der Kosten durch die Fa. BASF: Der Zwang zu einem permanenten, zeitlich nicht begrenzten Abpumpen und Behandeln von kontaminiertem Wasser macht die dauerhafte Sicherung der Altlasten extrem aufwendig und teuer. Die Schätzung der Kosten auf der Basis eines Zeitraums von 50 Jahren durch die BASF entspricht nicht der tatsächlichen Planung und ist daher falsch (erheblich zu niedrig). Das Konzept entspricht nicht dem aktuellen Stand der Technik und schon gar nicht den zukünftigen Anforderungen. Tatsächlich entspricht das Konzept der BASF für die Kesslergrube dem Stand der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als eine Sicherung vor einer Sanierung sinnvoll hätte sein können Für die Zukunft jedoch muss unverzüglich und mit einer zeitlich und inhaltlich optimierten Planung die vollständige Ausräumung aller Problemstoffe und deren Umlagerung an einen dauerhaft sicheren Ort (mit allenfalls minimaler aktiver Sicherung) erfolgen. Das Verhältnis der von der BASF am Rheinufer geplanten Sicherung (Aufwand) im Verhältnis zur erzielbaren Qualität der Lösung (langfristig umweltverträgliche Lagerung von chemischen Abfällen) ist im Vergleich zu den Alternativen (Sanierung) schlecht. Die Kosten des Konzepts würden auch extrem steigen, wenn ‚Nachbesserungen der Sicherung‘ (auch eine Erneuerung der Umspundung) erst bei einer schon bestehenden Folgenutzung als Gewerbegebiet durchgeführt werden müssten. Daher ist auch von der Fa. BASF einer unverzüglichen Sanierung der Kesslergrube der Vorzug zu geben.
  • Kein nachhaltiger Umgang mit den Altlasten: Mehr als 40 Jahre nach dem Schliessen der Kesslergrube ist eine nachhaltige Sanierung der Altlast überfällig und eine weitere Verzögerung durch unzureichende Sicherungsmassnahmen als nicht nachhaltiger Umgang mit dem Allgemeingut ‚Boden‘ keinesfalls akzeptabel. Der Aspekt der Nachhaltigkeit bezieht sich dabei auch auf die Finanzen: Die Umweltkosten der Abfälle dürfen nicht weiter in die Zukunft verschoben werden, nachdem die Einnahmen für die entsprechenden Produkte von der Fa. Ciba schon vor langer Zeit erzielt wurden. Diese hat bereits die finanziellen Mittel für die Entsorgung der chemischen Abfälle eingeplant. Mit der Firma Ciba hat die BASF auch diese Verpflichtung übernommen und ist somit verantwortlich, diese jetzt unverzüglich und in guter Qualität umzusetzen. Eine ‚Schein-Sanierung‘ in Form einer mangelhaften Umspundung und Deckelung lehnen wir als nicht nachhaltige Massnahmen ab.
  • Keine geeignete Vorbereitung des Areals für eine Nachnutzung als Gewerbegebiet: Die Vorbereitung des Areals der ehemaligen Kesslergrube durch die Fa. BASF für die geplante Folgenutzung als Gewerbegebiet sollte nicht gemäss einem ‚Mindeststandard (dauerhafte Sicherung) in mässiger oder unzureichender Qualität erfolgen sondern gemäss den zukünftigen Anforderungen. Die von der Fa. BASF mit ca. 50 Mio € geschätzten Kosten für die Umsetzung der geplanten, dauerhaften Sicherung wurden offenbar als minimale Kosten für die Firma geschätzt im Vergleich zu den Kosten einer Sanierung (ca. 250 Mio €). Diese für die Fa. BASF scheinbar geringeren Kosten im Falle von auf dem Areal verbleibenden Altlasten reduzieren aber auch erheblich (eventuell vollständig bei Gesundheitsrisiken) die Möglichkeiten für folgende Nutzungen als Gewerbegebiet. Das Einsparen von Kosten bei der Behandlung der Altlasten in der Kesslergrube kann somit zu gravierenden Nachteilen für die Allgemeinheit! (Gemeinde Grenzach-Wyhlen) führen Damit sind wir nicht einverstanden. Wir fordern daher von der Fa. BASF, dass sie den gesetzlichen Regelungen (BBodSchG § 4 / 3) im Sinne einer nachhaltigen Nutzung der Ressource Boden ohne Einschränkungen und ohne relevante Risiken für folgende Nutzungen entspricht.


(Die Position ist das Resultat einer öffentlichen Diskussion der BUND-Ortsgruppoe am 31. Juli 2013)



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