2. Juli 2012

Atomkraftwerk Fessenheim, Frankreich

Wir haben, wie sehr viel andere auch, mit sehr viel Aufmerksamkeit die Ereignisse vom 11. März 2011 rund um das Erdbeben vor Japan, die daraufhin erzeugte Tsunami und die anschliessenden Kernschmelze in den Reaktoren von Fukushima verfolgt. Bei der Reaktorkatastrophe haben sich viele Dinge aus Tschernobyl wiederholt: Die Überforderung der Verantwortlichen beim Betreiber, die relative Hilflosigkeit der Behörden mit ihren politisch Verantwortlichen, die unzureichende Informationspolitik, die geprägt ist von Nichtwissen aber auch von Verharmlosung der realen Lage. Wieder mussten wir mit ansehen, wie Menschen in eine sehr gefährliche Umgebung geschickt wurden um eine Katastrophe zu beherrschen, die sich offensichtlich nicht beherrschen lässt.

Leider war die japanische Regierung, wie in Tschernobyl auch, gezwungen den Umkreis rund um das Kraftwerk dauerhaft zu evakuieren. Wir hatten dabei den Eindruck, dass die Kriterien für die Grösse des Evakuierungskreises nicht allein von der Strahlenbelastung des Bodens abhing, sondern auch von Dingen wie der betroffenen Infrastruktur (Autobahnen, Bahntrassen), der Anzahl der betroffenen Leute bei verschieden grossen Evakuierungskreisen, die zu erwartenden Entschädigungsleistungen für die verlorenen Immobilienvermögen und Forderungen aus noch zu erleidenden Spätfolgen die auf den Reaktorunfall zurückgeführt werden könnten.

Wir haben keinen Anlass zu glauben, dass ein ähnlicher Reaktorunfall in Fessenheim vom Betreiber und von den französischen Behörden grundlegend anders oder gar besser behandelt wird. Vor allem gehen wir bei einem GAU in Fessenheim auch von einer dauerhaften Evakuierungszone aus und wir erwarten, dass ca. 350.000 Menschen (Freiburg & andere Gemeinden in der Rheinebene) ihre Heimat für immer verlassen müssen. Diejenigen, die nicht umgesiedelt werden müssen, weil sie ausserhalb des festgelegten Kreises leben, werden in einem solchen Fall mit einer deutlich höheren Strahlengrundbelastung und deren wahrscheinlichen Spätfolgen leben müssen.

Wir argumentieren daher beim AKW Fessenheim nicht mit technischen Sicherheitsmängeln wie der fehlenden Bodenplatte gegen stärkere Erdbeben oder das hohe Alter der Anlage und der damit einhergehenden höheren Störanfälligkeit, sondern argumentiern emotional und betonen hier den zu erwartenden Verlust der Heimat für eine sehr grosse Anzahl von Menschen.

Zur Verdeutlichung des Heimatverlustes nach einem solchen Unfall veröffentlichen wir hier einen alten Liedtext von Ludwig Eichrodt (1827 - 1892). Wir haben ihn ausgewählt weil er die Verbundenheit der hier lebenden Menschen mit ihrer Heimat sehr schön beschreibt und weil wir erwarten, dass die Evakuierungszeiträume für Südbaden nach einem solchen Unfall mindestens das jetzige Alter dieses Liedtextes erreichen werden.


O Heimat am Rhein, alemannisches Land,
o Strombraut, geliebte, dich faßt meine Hand!
Hier hoch auf dem Blauen, auf Schwarzwaldhöh,
hier grüß ich die Heimat, so weit ich nur seh.

Vogesen, darüber der Goldduft wallt,
ihr Berge von herrlicher Hochgestalt,
ihr fesselt den Blick, dann schweifet er hin,
nach Süd, wo die Alpen, die ewigen, glühn.

Und waffn ich den Blick und schau ich hinaus,
ich schaue die Heimat, die weite, nicht aus,
die sonnigen Gauen, voll Reiz und voll Wein,
die lachenden Lande, durchströmet vom Rhein

Ihr Fluren, ihr Täler, ihr Waldungen grün,
ihr Burgen, ihr Städte mit Münstern kühn,
ihr Völklein, Glück und Gefahren vertraut
behüt euch der Himmel, der über euch blaut!

Wohl trennen mag Schicksal ein Volk und ein Land,
doch einigt die Herzen ein ewiges Band
und macht uns zu Brüdern und schließet uns ein
in ein Paradies, unsre Heimat am Rhein!



BUND Standpunkt lautet daher:

  • Fessenheim gehört abgeschaltet, SOFORT !!



Sie finden bei uns im direkten Vergleich die radioktive Bodenbelastung auf Umgebungskarten mit km Kreisen rund um Tschernobyl und Fukushima.

Die japanische Regierung hat den Evakuierungskreis zunächst bei 30km festgelegt, musste später aber auch Gebiete in 60km Entfernung evakuieren, mehr als ein Jahr danach durften einige Menschen nahe der 20km Grenze wieder zurück in ihre Heimat ohne dort übernachten zu dürfen.
Die russische Regierung hat ebenfalls eine Evakuierungszone von 30km festgelegt.

Zur Verdeutlichung der Gefahren haben wir ähnliche Kreise rund um Fessenheim gezogen, Grenzach-Wyhlen liegt innerhalb des 40km Umkreises. Wir können nur dringend davor warnen zu glauben, ausserhalb der 30km Zone sei alles ungefährlich. Alle verfügbaren Berichte lassen uns annehmen, dass die Festlegung der Grösse der Evakuierungszone mitnichten nur nach Kriterien der gesundheitlichen Langzeitgefahren festgelegt werden wird.



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