5. April 2012

Wenig Rücksicht auf Natur

Für die Trassenführung im Bereich von Grenzach weist der LBP (Landschaftspflegerische Begleitplan) den Verlust oder die Beeinträchtigung wertvoller Biotope aus. Wir schliessen uns dieser Auffassung an, sehen diese gar als so gravierend an, dass die dafür vorgesehenen Ausgleichsmassnahmen bei weitem nicht ausreichend sind. Folgerichtig fordern wir deutlich aufgestockte Ausgleichsmassnahmen.

Bei der Trassenführung im Bereich Wyhlen wiederholen wir die Tatsache der Beinträchtigung bzw. Zerstörung von Brut- und Nahrungsbiotopen der stark gefährdeten Vogelarten Steinkauz und Zaunammer. Wir haben darüber hinaus Hinweise, dass diese Flächen sowohl hinsichtlich der Vegetation (Magerrasen, Gehölze) als auch als Lebensräume weiterer, teilweise seltener Tierarten (Reptilien, Insekten) besonders wertvoll sind. Wir halten insgesamt die Prüfung der Flächen um den Auhof hinsichtlich des Arten- und Naturschutzes für unzureichend. Um diesem Mangel abzuhelfen, fordern wir eine umfassende und gründliche Untersuchung aller Pflanzen- und Tierarten in diesem  Bereich, welche durch die Trasse beeinträchtigt werden könnten. Dabei sollte auch besonders auf in ost-westlicher Richtung durchwandernde Tierarten geachtet werden.

Für sämtliche nicht flug- oder schwimmfähigen Tierarten, welche in den südlichen Grünflächen von Grenzach-Wyhlen vorkommen (z.B. Säugetiere, Reptilien, Insekten) stellt der schmale Landkorridor zwischen der Bahnlinie und dem NSG Altrhein praktisch die einzige Austauschmöglichkeit mit östlichen Tierpopulationen im Bereich Herten dar. Andere Vernetzungsmöglichkeiten sind bereits durch die Bahnlinie bzw. bestehende Strassen blockiert. Aus unserer Sicht sollte deshalb eine Blockade des schmalen Wanderkorridors am NSG Altrhein unbedingt vermieden werden.

Den im UVS Ergänzungsdokument (Lärmgutachten) für die Erheblichkeitsschwelle angenommenen Wert von 54 dB (A) halten wir für zu hoch angesetzt, wissenschaftlich nicht ausreichend fundiert und daher für willkürlich. Eine Beschränkung allein auf die bekanntermassen lärmunempfindliche FFH-Tierart Biber lehnen wir ab. Wir sind auch der Meinung, dass Durchschnittswerte wie der verwendete Schwellenwert von 54 dB (A) ungeeignet sind, um die tatsächliche Belastung einzelner Tierarten zu erfassen. Vielmehr sehen wir es als notwendig an, die Erheblichkeitsschwelle für die am meisten störempfindliche Tierart im NSG zu ermitteln und diese als generellen Schwellenwert für die Beeinträchtigung des NSG durch Lärmimmissionen zu verwenden.

Die südlich der Trasse am Schnittpunkt mit dem NSG Altrhein vorgesehenen Lärmschutzwände können unseres Erachtens das Risiko von Unfällen durch Kraftfahrzeuge, z.B. LKWs mit Gefahrengütern, mit verheerenden Folgen für das NSG Altrhein allenfalls etwas reduzieren, jedoch nicht ausschalten. Wir halten den Schutz schon deshalb für unzureichend, weil im Bereich des Auhofes gar keine Lärmschutzwände vorgesehen sind und weil wir bezweifeln, dass die mechanische Stabilität dieser Wände das Durchbrechen eines schweren LKWs verhindern würde.

Die Alternativ-Variante durch die Querspange Stück – Kreisel – Trasse nördlich der aktuellen B34 (Variante "Korridor Stück") wurde unzureichend geprüft und bewertet. Der Vergleich mit der BET ist deshalb unsolide und das Resultat für uns zweifelhaft. Wir fordern eine angemessene Prüfung dieser Variante bereits seit 1994. In unserer Stellungnahme aus dem Jahr 2002 haben wir insbesondere den von uns angedachten Verlauf dieser Variante nördlich der bestehenden B34 präzisiert. Wir sind weiterhin der Meinung, dass der Verlauf der Trasse (ab dem Kreisverkehr) im Gewann Spitzacker in der Nähe der bestehenden B34 liegen sollte, d.h. die Trasse sollte in ausreichender Distanz zur Wohnbebauung der Siedlung Wyhlen geführt werden, um einen ausreichenden, gegenüber der aktuellen Situation verbesserten Lärmschutz zu gewährleisten. Die Bahnlinie könnte in Richtung Rheinfelden unter- oder überquert werden, und zwar im Bereich des bestehenden Bahnübergangs oder nördlich davon. Eine ohnehin notwendige Überquerungsmöglichkeit der Bahntrasse und der B34 für landwirtschaftliche Fahrzeuge, Radfahrer und Fussgänger könnte/sollte mit eingeplant werden. Wir vermissen eine gründliche Prüfung dieser Variante in dem UVS Ergänzungsdokument.

Das vollständige Dokument stellen wir ihnen hier zur Verfügung.



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