Wildtulpen in Grenzach

Blick nach Süden

Oberhalb des Gewann Lenzen, westlich des Fussweges zur Schweizer Grenze nach Bettingen, versteckt sich in Waldrandlage am Hang ein ca. 600 qm grosses Wildtulpenfeld. Wildtulpen (Tulipa sylvestris L.) sind wärmeliebende Frühjahrsblüher, deren Ursprünge in Südeuropa, der Türkei und Nordafrika liegen. Sie gedeihen in unseren Breitengraden in Wäldern, Gebüschen, Hecken und Weinbergen mit fetten, feuchten, steinarmen Lösslehmböden und einem warmen Klima. Sie können in der Sonne stehen, vertragen bei sonst guten Bedingungen aber auch Schatten oder Halbschatten. Tulipa sylvestris ist die einzige in Deutschland wild vorkommende Tulpenart, sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, daher kommt diesem in Grenzach heimischen Bestand eine besondere Bedeutung zu. Die Wilde Tulpe ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und gilt als stark gefährdet. Sie darf nicht ausgegraben oder gepflückt werden, vorwiegend die Zwiebel und der Stengel enthalten Tulipanin als Giftstoff. Werden die Zwiebeln irrtümlich gegessen, reagiert der Körper mit Magen- und Darmbeschwerden, einschliesslich Bauchkrämpfen.



Die Wilde Tulpe ist eine mehrjährige Pflanze mit Wuchshöhen von meist 30 bis 45 Zentimetern.  Die Pflanze bildet Zwiebeln als Überdauerungsorgan aus, oft entwickeln diese Zwiebeln aber auch unterirdische Stolonen mit welchen sich Pflanze vegetativ vermehren kann. Hier in Grenzach vermehren sich die Pflanzen sowohl vegetativ als auch geschlechtlich über die Blüten. Tulpenzwiebeln benötigen zur Blütenbildung die Kühlphase des Winters.



In der Vegatationsphase im Frühjahr werden drei einfach, blaugrüne Blätter ausgetrieben. Sie sind oval-schmal, haben einen glatten Blattrand, sind 1 bis 2 cm breit und fühlen sich weich an. Kurz nach diesen Blättern wird eine einzelne Blüte an einem langen dünnen Stengel ausgetrieben. Die Blüte besteht aus 2 Kreisen mit jeweils 3 Blättern die becherförmig angeordnet sind (Liliengewächse). Die Farbe der Blüte ist gelb. Die Blüte schließt sich abends und bei trübem, feuchten Wetter; in der Sonne breiten sich die Blütenhüllblätter zu einem großen gelben Stern mit einem Durchmesser von 7 bis 8 cm aus. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Mai.  Die Früchte werden im Juli reif, nach der Reifung der Früchte beendet die Pflanze ihre Vegetationsphase, lässt ihre grünen Blätter absterben und verbringt den Rest des Jahres als Zwiebel im Waldboden, um im Frühjahr des nächsten Jahres erneut auszutreiben.



Leider geniesst unser Bestand bei dem ein oder anderen angrenzenden Kleingärtner keine ganz so hohe Wertschätzung wie die Pflanzen im eigenen Garten, sodass einige wilde Tulpen, auf ca. 20% ihre gesamten Ausbreitungsfläche, immer wieder längere Dunkelperioden überstehen müssen. Wir hoffen an dieser Stelle mit der Darstellung auf unserer Internetseite ein wenig mehr Rücksicht zu generieren.



FFH Gebiet

Die FFH-Richtlinie (Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt, Habitat = Lebensraum) wurde am 21.Mai 1992 als „Richtlinie 92/43/EWG des Rates zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen" beschlossen. Zusammen mit der Vogelschutzrichtlinie bildet sie die zentrale Rechtsgrundlage für den Naturschutz in der Europäischen Union.

Das vorrangige Ziel der FFH- und EG-Vogelschutzrichtlinie ist die Erhaltung bzw. Wiederherstellung und Sicherung der in Europa vorhandenen biologischen Vielfalt. Durch die FFH-Richtlinie werden die europaweit gefährdeten, natürlichen und naturnahen Lebensräume sowie die Vorkommen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten geschützt.

Mehr Info unter Landesanstalt für Umwelt Baden-Würrtemberg.

Unser Naturschutz-Tipp

Wer ein Herz für Tiere hat, sollte im Herbst seinen Garten nicht blitzblank aufräumen. Laubreste, Reisighaufen und verblühte Blumen sollten nicht vollständig entsorgt werden. Sie können im Winter verschiedenen Tieren Unterschlupf und Futter bieten. Stauden, Sträucher und Blumenreste liefern zum Beispiel bestes Vogelfutter: Körnerfresser wie Finken, Ammern und Zeisige bedienen sich an den Samenständen von Blumen. Heimische Sträucher wie Schneeball und Heckenrosen bieten ebenfalls Nahrung für hungrige Vögel. Alte Blüten und Pflanzenstängel bieten außerdem vielen Insekten Möglichkeiten zur Überwinterung. Wildbienen etwa legen ihre Eier in hohle, trockene Pflanzenstängel. Dort überwintern dann die Larven und schlüpfen im kommenden Jahr.

Mehr dazu unter www.bund.net/bund-tipps/

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