Altrhein bei Wyhlen



Der Ausbau des Rheins

Mit Beginn des Industriezeitalters Mitte der 1800er Jahre und dem Bau von 12 Kraftwerken zur Stromerzeugung entlang den Tulla'schen Plänen entwickelte sich der Hochrhein von einem mäandernden schnell fließenden Fluss zu einer Aneinanderreihung von seenähnlichen Wasserflächen. Die kurvige, alte Bahnlinie zwischen Efringen-Kirchen und Bad Bellingen verdankt ihre Streckenführung den früher üblichen Rheinhochwassern in der Rheinebene und den damit verbundenen, sich ständig änderndem Flussverläufen.

Im weiteren Uferbereich kam es mit der Regulierung zu einer erheblichen Absenkung des Grundwasserspiegels, weil der Fluss in ein tiefliegendes Bett verlegt wurde, ehemals fischreiche Seitenarme sind trockengefallen. Vor allem Kraftwerksbauten für die Energiegewinnung und Kulturwehre für den Hochwasserschutz veränderten die Dynamik des Flusslaufes erheblich und erschwerten den Fischauf und –abstieg, was insbesondere den Langdistanzwanderern wie Lachs, Maifisch und Aal ihren Laichwanderweg über sehr lange Zeiten blockierte und auch heute noch erheblich erschwert.

Die Änderung der Fließgeschwindigkeit (Stop and Go), die einhergehende Verbauung und Befestigung des Ufers, die nun stattfindende Ablagerung feinsten Sedimentes auf der Sohle und der Eintrag von chemischen Substanzen der sich ansiedelnden Industrie haben die Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen erheblich verändert und zu einer Lebensgemeinschaft geführt, die sich eklatant von der vor der Industrialisierung unterscheidet.



Der Aufstau vor Augst-Wyhlen

Nach dem Bau des Doppelkraftwerkes Augst-Wyhlen in den Jahren 1908-12 wurde der Rhein im Bereich des Altrheins um 8 m aufgestaut. Mit dem aufgestauten Wasser verschwanden eine Reihe von Inseln in den Fluten, deren bekannteste die Insel "Gewert" war. Im gleichen Bereich wie die Inseln, lag nördlich der Ergolzmündung und damit auch unmittelbar vor den heutigen Kraftwerken, der Altrhein, er wurde im Zuge der Baumassnahmen durch einen Leitdamm vom Hauptfluss getrennt.

Das Biotop des Altrheins

Seit dem Bau vor mehr als 100 Jahren haben keine größeren Eingriffe durch den Menschen mehr stattgefunden. Das Biotop in der heutigen Form ist gekennzeichnet durch die Verbuschung des anfangs baum- und buschfreien Dammes, der Verlandung durch angeschwemmten Schlick in der Fläche und des fast geschlossenen Zuflusses im Osten. Der verbuschte Damm, das nördlich angrenzende bewaldete Ufer und die angeschwemmte Sedimentschicht mit der entstandenen, stufenlos zunehmenden Wassertiefe zum Westen hin, bieten vielen pflanzlichen und tierischen Arten eine Lebensgrundlage, die es wegen des kanalähnlichen Charakter des Hauptflusses sonst am Hochrhein nicht häufig gibt.

Zuflußmöglichkeiten in den Altrhein am östlichen und westlichen Ende des Leitdammes ermöglichen vor allem bei höherem Wasserstand einen Austausch von Wasser. Trotz seiner bescheidenen Größe ist der Altrhein bei Wyhlen zusammen mit dem Bodensee im Osten, dem Aarestausee bei Klingnau und dem Hochrhein im Westen, Teil eines Biotopverbundes für gefiederte Standortvögel, Durchzügler und Überwinterer aus dem Norden Europas.



Biotopänderung durch den Aufstau

Die Änderung der Lebensbedingungen durch den Ausbau des Rheins hat bei einigen Fischarten dazu geführt, dass sie im Rhein als ausgestorben gelten, hierzu gehören der Stör und der Lachs.

Andauerndem Druck der Umweltverbände und veränderte Ansichten weiter Teile der Bevölkerung ist es zu verdanken, dass bei Kraftwerksneubauten nun wesentlich mehr Rücksicht auf die ehemaligen Fischbestände genommen werden muss. So gibt es am neuen Kraftwerk von Rheinfelden mehrere Aufstiegsmöglichkeiten für wandernde Fische die den unterschiedlichen Gewohnheiten sowie den Größen und Kräften der Fischarten Rechnung tragen. Diese haben es ermöglicht, dass der Lachs nachweislich bis oberhalb dieses Kraftwerkes nun wieder aufsteigen kann. Wichtig sind aber auch ein Schutz vor schleichender Verbauung und Versiegelung von Uferbereichen, der Schutz vor Wellenschlag in den Laichbereichen der Uferzonen und die Einrichtung von Flachwasserzonen für Jungfische.

Viele Fischarten sind in der Laichperiode auf überströmte Kiesbereiche angewiesen. Solche Flussabschnitte sind durch die Verbauung des Rheins und ihrer Nebenflüsse bewusst eliminiert worden. Das Fehlen dieser Kiesbereiche ist der wichtigste Grund für das Verschwinden der ehemaligen Leitfische am Rhein (Lachs und Nase).

Es werden am Rhein und auch an den Nebenflüssen weitere Renaturierungen nötig sein, um den ehemaligen Bewohnern wieder geeignete Laichplätze und Jungfischhabitate zu schaffen. Mit diesen Änderungen werden dann auch neue Lebensräume zur Wiederbesiedelung mit selten gewordenen Fischen zur Verfügung stehen.

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